Rolf Schönlau ist Autor und gebürtiger Schlänger. Er ging in Schlangen zur Volksschule und hat danach am Gymnasium Leopoldinum in Detmold sein Abitur gemacht. Er studierte Germanistik, Anglistik und Philosophie in Berlin und später in München Anglistik, Germanistik und Psychologie bis zum Magister-Abschluss. Danach war der Schlänger Autor im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo und als Lehrer tätig. Seit 1993 wohnt Rolf Schönlau wieder in Schlangen. Sein aktuelles Buch Paradies verloren erscheint am 21. September im Verlag Friedenauer Presse.

 

SennePlus: Guten Tag Herr Schönlau, zunächst würde uns interessieren: Wie kamen Sie eigentlich zum Schreiben?

Ich bin während meiner Übersetzungstätigkeit vom Deutschen ins Englische im Rahmen meines Studiums zum Schreiben gekommen. Meine erste Idee und gleichzeitig die erste Veröffentlichung war ein Kinderbuch namens Heißes Eisen im Jahr 1980, das allerdings nicht so richtig erfolgreich war.

Einige Zeit später schaffte ich es mit einer Geschichte auf die Titelseite des Zeit-Magazins, was mir viel Mut gemacht hat. Mir war klar, dass ich schreiben möchte. Im Jahr 2000 gewann ich dann einen Literaturpreis mit dem ersten Teil der Novelle Die Erfindungsfolter, die auf einer Anekdote basierte. 2008 kam dieses Buch dann heraus, nachdem ich während meiner Zeit im Museum weiter daran gearbeitet hatte.

 

SennePlus: Worum geht es in Ihrem aktuellen Buch Paradiese verloren?

Ich habe während meiner Arbeit an meinen letzten Büchern mitbekommen, wie wichtig John Milton für die englische Literatur ist. Paradise Lost von John Milton ist ein sehr bekanntes Werk, aber keiner scheint es wirklich gelesen zu haben. Deswegen wollte ich es für den deutschen Markt zugänglicher machen.

So habe ich die 10.000 Verse aus Paradise Lost in deutscher Prosa erzählt und dazu auch kommentiert, damit es verständlich wird. Denn bei so einem alten Buch ist natürlich auch einiges erklärungsbedürftig. Außerdem habe ich 1.500 Verse direkt ins Deutsche übersetzt und es geschafft, dabei den speziellen Rhythmus, den John Miltons Originalverse hatten, beizubehalten.

Es geht in Paradiese verloren um die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Gleichzeitig wird dabei die ganze Schöpfung der Welt erzählt. Dabei ist die Geschichte an den Bibeltexten angelehnt, aber entfernt sich auch davon. Milton gibt das Weltwissen seiner Zeit, zum Beispiel auch medizinisches, pharmazeutisches und geographisches Wissen, wieder und diskutiert, wie Vorherbestimmung und freier Wille zusammenhängen. All diese Themen sind wirklich sehr interessant und es ist faszinierend Einblick in das Wissen der damaligen Zeit zu bekommen.

 

SennePlus: Ihr Buch Paradiese ist die moderne Erzählung einer schon existierenden Geschichte. Haben Sie auch eigene Fiktion geschrieben?

Ja, ich habe zum Beispiel das Hörspiel Das Hibernat aufgenommen, in dem es um die Ressourcenknappheit unserer Welt geht, so dass in einem Großversuch einige tausend Menschen im Winter für vier Monate in den Winterschlaf geschickt werden. Der Protagonist ist ein freiwilliger Teilnehmer des Hibernats, der hundert Tage vor seinem geplanten Winterschlaf sein Tagebuch schreibt. Man kann sich dieses Hörspiel jederzeit kostenlos in der Mediathek des WDR anhören.

 

SennePlus: Wie gehen Sie als Autor bei Ihrer Arbeit vor?

Der erste Satz ist extrem wichtig. Er gibt den Ton vor, in dem die Geschichte geschrieben ist. Wenn der erste Satz also wirklich sitzt, ergibt sich für mich daraus automatisch der zweite Satz und schließlich der ganze erste Absatz. In der Regel ist es so, dass ich direkt in eine Geschichte hineinspringe und zu dem Zeitpunkt noch gar nicht weiß, wo sie mich hinführt. Dass ich meine Geschichte auch plane, geschieht erst später. Der Titel eines Buches ergibt sich für mich ebenfalls meist automatisch. So ähnlich ist es auch mit Namen. Irgendwann bekomme ich ein Gefühl dafür, welcher Name für welchen Charakter der richtige ist.

 

SennePlus: Wie kommen Sie auf die Idee für ein Buch?

Wie eine Buchidee kommt, kann ich am Beispiel von Das Hibernat ganz gut erklären. Zwei Jahre, bevor ich mit dem Buch begann, habe ich mit einem Kollegen bei einer Pizza zusammengesessen. Wir redeten über Benzinpreise, Ölquellen usw. Dann habe ich irgendwann gesagt: „Naja, wenn es so weitergeht, müssen wir die Leute in den Winterschlaf schicken.“ An dem Blick meines Kollegen habe ich direkt gesehen, dass das eine gute Idee für eine Geschichte sein könnte.

 

SennePlus: Zum Schluss würden wir noch gerne wissen: Was liest der Autor selbst? Haben Sie ein Lieblingsbuch?

Wenn ich mir ein einziges Buch aussuchen müsste, wäre es wohl Der Zauberberg, weil in dem Buch so viel verhandelt wird. Es gibt den Humanisten und den Technokraten. Die beiden lässt Thomas Mann diskutieren. Die technische Sicht und die alte humanistische Sicht werden einander gegenübergestellt. Das ist genau mein Thema und das hat vielleicht auch damit zu tun, dass mein Gymnasium sowohl humanistisch als auch naturwissenschaftlich-technisch geprägt war. (dr)