Lost Place: Alter Steinbruch im Langen Tal
Meldung vom 15. Oktober 2024,
Allgemein
Kalkstein aus der Oberkreidezeit.
(dr) Eine steile, dicht bewachsene Felswand ragt vor unseren Augen im Langen Tal bei Schlangen hoch empor und verläuft in einem Halbkreis um uns herum. Wir befinden uns im alten Schlänger Steinbruch im Langen Tal. Dieser Lost Place hat eine über hundert Jahre alte Geschichte, denn hier wurde schon in den 1880er Jahren ein Kalkwerk betrieben. Die Kalksteine wurden aus der Wand herausgebrochen und in einem Kalkofen gebrannt. So wurde das Rohmaterial für den so genannten Branntkalk hergestellt. Mit diesem wurden Straßen und Häuser in Schlangen gebaut. Der Kalkofen wurde ungefähr bis zur Mitte der 50er Jahre betrieben, bevor er schließlich stillgelegt wurde. Während zunächst Familie Bauerkämper den Steinbruch besaß, wechselte der Besitz anschließend zu Familie Kehne, bevor Fritz Klöpping ihn schließlich noch für das Herausbrechen von Steinen für den Straßenbau nutzte.
Um die Entstehung der mächtigen Kalksteinschichten der Paderborner Hochfläche und somit des Kalksteinbruchs im Langen Tal verstehen zu können, müssen wir uns nur mal eben rund 100 Millionen Jahre zurückversetzen – in die Oberkreidezeit, als es noch Dinosaurier gab. Zu jener Zeit war hier in Schlangen und natürlich auch weit darüber hinaus kein Wald und kein Land zu sehen, sondern ein großes, tropisches Meer, in dem unter anderem etwa 20 Meter lange Mosasaurier ihre Beute jagten. Diese urzeitlichen Schuppenkriechtiere waren vermutlich entfernte Verwandte der heutigen Schlangen und Warane. Außerdem bevölkerten auch so genannte Kopffüßler sowie Muscheln, Krebse und Seeigel schon damals die Ozeane.
Schließlich entstand durch Bewegungen der tektonischen Platten das Eggegebirge, der Teutoburger Wald und auch die Paderborner Hochfläche, deren Kalksteinschichten im Prinzip aus Ablagerungen, zumeist von Skeletten und Gehäusen jener verstorbenen Meerestiere, entstanden sind. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass so mancher früher im alten Steinbruch auch schon versteinerte Muscheln oder Ähnliches gefunden hat. Und wer weiß: Vielleicht hätte man sogar irgendwann ein Mosasaurierskelett gefunden, wenn man den Steinbruch nur lange genug weiterbetrieben hätte.
Hinweis: Wir raten davon ab, im Kalkstein des Steinbruchs nach Fossilien zu suchen, da jederzeit auch Geröll von der Wand herunterkommen kann.





