Unsere Suche nach dem nächsten Lost Place führte uns dieses Mal nur an den äußersten Rand der Senne. Dort, an der Grenze zu Bad Lippspringe, liegt neben dem zum British Army Golf Club gehörenden Golfplatz ein weitläufiges Feld mit einigen Gebäuden, die in der Ferne zu erkennen sind. Wir stehen vor Bad Lippspringes ehemaligem Flugplatz, heute für Zivilisten nicht betretbar, durch einen riesigen Zaun vor ungewollten Eindringlingen geschützt und offenbar menschenleer – so zumindest unsere Vermutung. Denn ob womöglich Soldaten die Gebäude hin und wieder benutzen, wissen wir nicht.

In und an diesen Gebäuden tummelten sich noch vor etwa zehn Jahren regelmäßig viele Menschen, darunter sowohl Soldaten als auch Zivilisten. Die Mitglieder des damaligen Lippspringer Fallschirmsprungvereins Skydive bereiteten sich hier an schönen Sommertagen auf ihre Sprünge vor und stiegen von dort aus in ein kleines Propellerflugzeug ein, während Schaulustige oder Radfahrer, die auf ihrer Tour eine Pause einlegten, das emsige Treiben mit Freude und großem Interesse verfolgten: Fallschirmspringer stiegen in die Propellermaschine ein, die kurz darauf mit lautem Getöse über den ungeteerten Flugplatz in die Lüfte abhob, bevor einige Minuten später die Fallschirmspringer wieder herabsegelten und schließlich auch das Flugzeug wieder landete und die nächsten Abenteurer der Lüfte einlud. Als Hangar für die Propellermaschine fungierte die große Halle mit dem roten Tor rechts vom Hauptgebäude und Tower. Zudem gab es hier früher auch einen kleinen Pub namens „Uncle Tom’s Cabin“. 

Der Fallschirmsprungverein nutzte den Flugplatz schon seit den 70er Jahren. Darüber hinaus war das Gelände auch lange Zeit einmal jährlich Schauplatz der weit über Bad Lippspringe hinaus bekannten und beliebten Rhine Army Summer Show, die zunächst 1947 als Horse Show, also Pferdeshow, begann und im Jahr 2002 zum letzten Mal stattfand. Außerdem war das riesige Feld im Jahr 1965 Ort eines königlichen Besuchs: Queen Elizabeth II. nahm gemeinsam mit Prinz Philipp eine große Parade von 6500 britischen Offizieren ab.

Die erste militärische Nutzung des Flugplatzgeländes, zu dem damals auch der heutige Golfplatz gehörte, erfolgte um das Jahr 1892, als den Lippspringer Landwirten die große Heidefläche abgekauft wurde. Doch für Militärflugzeuge war das natürlich zu früh, denn erst 1903 flog Orville Wright am Strand von North Carolina gerade einmal ganze 37 Meter weit, was den revolutionären Beginn der motorisierten Luftfahrt markierte. 

Stattdessen wurde der spätere Bad Lippspringer Flugplatz zunächst als Manöver- und Paradefeld sowie als Reitplatz für Kavallerieformationen genutzt. Erste Flugübungen von Flugzeugen führte der damalige Paderborner Polstermöbelfabrikant Johannes Stockhausen, der in den Jahren 1909 und 1910 mehrere Flugzeuge bauen lassen hatte, auf dem Gelände durch. Außerdem durften zwischen 1910 und dem Ersten Weltkrieg Segelflieger des Westfälisch-Lippischen Luftfahrtverbandes den Flugplatz für ihre Übungsflüge nutzen.  Im Juni 1913 ließ schließlich das preußische Heer die ersten Militärflugzeuge über dem Flugplatz ihre Kreise ziehen. Es handelte sich um Doppeldeckerflugzeuge des Typs Rumpler C1, die von der Bevölkerung bestaunt wurden.

Es bleibt für die Zukunft des Flugplatzes zu hoffen, dass die Lippspringer Bürger aufgrund des aktuellen Weltgeschehens nicht noch einmal Militärflugzeuge an diesem Ort bewundern können, sondern dass vielleicht irgendwann einmal wieder eine friedliche, zivile Nutzung des heute eingezäunten Geländes möglich wird, an der sich die Menschen, wie schon zu besten Fallschirmsprungzeiten, erfreuen können. (dr)

 

Quelle für die historischen Informationen: Truppenübungsplatz Senne: Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte, herausgegeben von Uwe Piesczek. (Bonifatius-Verlag, 1992)

Hinweis der Redaktion: Wer sich für die Geschichte des Flugplatzes oder der Senne näher interessiert, findet in diesem Buch noch viele weitere Informationen.